1960 führten Forscher des Max-Planck-Instituts ein Experiment durch: Mehrere Probanden verbrachten längere Zeit in einem Bunker – ohne Tageslicht, ohne Uhr, ohne Medien. Nachdem sich die Teilnehmer gründlich ausgeschlafen hatten, wurde es spannend: Wie pendelt sich ihr Tag-Nacht-Verhalten ein? Das Ergebnis war eindeutig – alle passten sich ausnahmslos an einen rund 25-stündigen Rhythmus an, wobei sie ihn in eine Wach- und eine Schlafphase aufteilten. Bei der Nachtruhe zeigten sich jedoch deutliche Unterschiede: Einige gingen früh zu Bett und standen morgens zeitig auf, andere blieben lange wach und schliefen entsprechend länger.
Das Experiment hat bewiesen: Jeder Mensch hat seinen eigenen Schlafrhythmus. Unser zirkadianer (auch: circadianer, wörtlich: „über einen Tag“) Rhythmus beeinflusst alle biologischen Prozesse in unserem Körper, die sich schematisch wiederholen, also unseren Biorhythmus. Er richtet sich an der Sonne aus, man spricht auch von der inneren Uhr. Im Gehirn, direkt hinter dem Sehnerv, tickt ihre Schaltzentrale. Von dort steuert sie die Körperfunktionen und schickt Millionen von Signalen an die inneren Organe wie Herz, Lunge oder Darm. Zusätzlich hat jede einzelne Zelle ihren eigenen Taktgeber. Zusammen regulieren sie die Körpertemperatur, den Stoffwechsel, den Blutdruck – oder bestimmen, wann es an der Zeit ist, das Schlafhormon Melatonin zu produzieren.