Zusammenhang: Wie beeinflussen sich Schlafapnoe und Bluthochdruck?
Der Zusammenhang betrifft komplexe Abläufe im Körper, z.B. Atmung, Herzfrequenz und Blutgefäße. Werden die Abläufe nachts immer wieder gestört, spüren Sie die negativen Folgen oft auch tagsüber.
Was ist Schlafapnoe, und wie wirkt sie sich auf den Blutdruck aus?
Schlafapnoe ist eine Störung, bei der Ihre Atmung während des Schlafs wiederholt aussetzt und wieder einsetzt. Obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist die häufigste Form der Schlafapnoe und entsteht, wenn sich die Rachenmuskulatur entspannt und die Atemwege blockiert.4 Je nach Schweregrad können die Atemaussetzer 5- bis 30-mal pro Stunde oder häufiger auftreten.5
Während eines Atemaussetzers sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut rasch ab. Dieser Sauerstoffmangel (Hypoxie) löst ein Alarmsystem im Körper aus, die „Kampf-oder-Flucht-Reaktion“. Ihr Herz schlägt schneller, die Blutgefäße verengen sich und der Blutdruck steigt stark an, damit die Atmung wieder einsetzt. Auch wenn diese Reaktion dem Körper hilft zu überleben, führen wiederholte Episoden während der Nacht zu einer anhaltenden Belastung Ihres Herz-Kreislauf-Systems.1
Forschungsergebnisse zeigen, dass bis zu 50 % der Menschen mit Bluthochdruck auch an Schlafapnoe leiden.1 Von obstruktiver Schlafapnoe (OSA) sind in den USA mehr als 50 Millionen Erwachsene betroffen,6 und die Anzahl der Betroffenen dürfte bis 2050 auf fast 77 Millionen steigen.7
Warum steigt der Blutdruck bei Schlafapnoe? (Mechanismen)
Mehrere Systeme im Körper tragen zum Zusammenhang zwischen obstruktiver Schlafapnoe (OSA) und Bluthochdruck bei.4 Das sympathische Nervensystem wirkt wie das Alarmsystem des Körpers. Bei Schlafapnoe-Ereignissen schüttet dieses System Stresshormone wie Adrenalin aus, wodurch der Blutdruck stark ansteigt und sich die Herzfrequenz erhöht.
Während des Schlafs sollte der Blutdruck normalerweise um 10 % bis 20 % absinken.16 Das gibt dem Herz-Kreislauf-System Zeit, sich zu erholen. Bei Menschen mit OSA bleibt dieses Absinken jedoch häufig aus, da Atemaussetzer das sympathische Nervensystem kurzzeitig aktivieren.2 Dadurch fehlt Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe diese erholsame Phase.
Wiederholtes Abfallen des Sauerstoffgehalts während Apnoe-Ereignissen verursacht zudem oxidativen Stress im ganzen Körper. Dieser Stress erzeugt schädliche Moleküle, die die Wände Ihrer Blutgefäße schädigen, sie versteifen und ihre Reaktion auf normale Signale zur Blutdruckregulation verringern. Dadurch kann es zu chronischen Entzündungen kommen, was Ihre Herz-Kreislauf-Gesundheit zusätzlich beeinträchtigt.4
Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) ist ein Hormonsystem, das hilft, den Blutdruck und den Flüssigkeitshaushalt zu steuern, indem es reguliert, wie viel Salz und Wasser Ihre Nieren zurückhalten.8 Bei Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe kann das RAAS überaktiv werden, wodurch Flüssigkeitseinlagerungen sowie Blutvolumen und Blutdruck steigen. Das kann zu Ödemen führen, also Schwellungen, die durch überschüssige Flüssigkeit verursacht werden, oft an Armen und Beinen. Sie können sich außerdem müder und durstiger fühlen und unter anhaltenden Kopfschmerzen leiden.9
Fragmentierter Schlaf kann diese Probleme verschlimmern, da er die Hormonproduktion und Erholungsprozesse stört, die normalerweise im Tiefschlaf stattfinden. Eine schlechte Schlafqualität kann unter anderem den Cortisolspiegel und die Ausschüttung von Wachstumshormonen beeinflussen, die zur Regulierung des Blutdrucks beitragen, sodass er den ganzen Tag erhöht bleibt.1
Blutdruckmuster bei Menschen mit Schlafapnoe
Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe (OSA) entwickeln häufig auffällige Blutdruckmuster.10 Das bedenklichste Muster ist ein ausbleibender nächtlicher Blutdruckabfall. Das bedeutet, dass die nächtlichen Blutdruckwerte erhöht bleiben, anstatt während des Schlafs wir üblich abzusinken.
OSA führt dazu, dass die Atmung während der Nacht immer wieder aussetzt und wieder einsetzt. Diese Apnoe-Ereignisse können dazu führen, dass sowohl der systolische als auch der diastolische Blutdruck stark ansteigen. Das kann nachts zu überdurchschnittlich hohen Blutdruckwerten führen. Darüber hinaus bleibt bei vielen Menschen mit OSA der Blutdruck auch tagsüber erhöht, obwohl die Atmung dann normal ist.
Das Joint National Committee on Prevention, Detection, Evaluation, and Treatment of High Blood Pressure (US-Expertengremium zur Vorbeugung, Erkennung, Bewertung und Behandlung von Bluthochdruck) führt OSA als eine der sekundären Ursachen von Hypertonie auf.10 OSA steht häufig mit therapieresistenter Hypertonie in Zusammenhang, also mit einer Erkrankung, bei der der Blutdruck trotz der Einnahme von drei oder mehr Medikamenten hoch bleibt.26 Bis zu 80 % der Menschen mit therapieresistenter Hypertonie haben auch OSA.27
Je häufiger Ihre Atmung unterbrochen wird, desto stärker ist die Belastung für Ihr Herz-Kreislauf-System.10 Deshalb hängt der Schweregrad der obstruktiven Schlafapnoe direkt mit Blutdruckproblemen zusammen. Menschen mit leichter OSA können einen moderaten Anstieg des Blutdrucks erleben, während Menschen mit schwerer OSA häufig eine ausgeprägte Hypertonie haben.
Risikofaktoren: Wer hat ein höheres Risiko für Schlafapnoe und Bluthochdruck?
Wenn mehrere Erkrankung gleichzeitig auftreten — etwa OSA und Bluthochdruck — spricht man von einer Komorbidität. Diese Gesundheitsprobleme können schwieriger zu behandeln sein, wenn sie zusammen auftreten.24,25
Mehrere Faktoren können die Wahrscheinlichkeit erhöhen, gleichzeitig OSA und Bluthochdruck zu entwickeln. Adipositas ist der wichtigste gemeinsame Risikofaktor. 10 Ein erhöhter Halsumfang verengt die Atemwege, wodurch das Atmen im Schlaf erschwert wird. Zusätzliches Körpergewicht bedeutet auch eine höhere Belastung für das Herz und kann den Blutdruck erhöhen.
Auch das Alter kann beide Erkrankungen beeinflussen.24,25 Schlafapnoe tritt häufiger auf, wenn die Rachenmuskulatur mit zunehmendem Alter auf natürliche Weise schwächer wird. Der Blutdruck steigt typischerweise im Laufe der Zeit aufgrund einer Versteifung der Arterien, wodurch die Elastizität der Blutgefäße abnimmt, die das Blut vom Herzen weg transportieren. Männer entwickeln OSA häufiger in jüngerem Alter als Frauen, während das Risiko bei Frauen nach den Wechseljahren deutlich ansteigt.26
Darüber hinaus können genetische Faktoren sowohl zu OSA als auch zu Bluthochdruck beitragen. Eine familiäre Vorgeschichte von OSA oder Hypertonie kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Sie eine der beiden Erkrankungen entwickeln. Wenn Sie Verwandte mit Bluthochdruck oder OSA haben, ist es sinnvoll, dies mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin zu besprechen.
Schließlich besteht zwischen Flüssigkeitseinlagerungen — der Ansammlung von Flüssigkeit im Körper, die zu Schwellungen führt— und den beiden Erkrankungen ein komplexer Zusammenhang. Überschüssige Flüssigkeit kann OSA verschlimmern, indem sie die Schwellung im Bereich der oberen Atemwege verstärkt. Sie erhöht auch den Blutdruck, indem sie das Blutvolumen erhöht. Deshalb treten Diabetes und das metabolische Syndrom, eine Gruppe weiterer besorgniserregender Gesundheitsprobleme, häufig zusammen mit OSA und Bluthochdruck auf und führen zu sich überschneidenden gesundheitlichen Belastungen.21